Selber machen – lohnt sich das überhaupt?

DIY (Do it yourself) ist inzwischen ein geflügelter Ausdruck. Alle scheinen plötzlich in einen regelrechten  DIY-Wahn verfallen. Plötzlich ist es wieder „in“ und „hipp“, sich selbst Pullover zu stricken oder aus Perlen Schmuck herzustellen. Besonders die immer-sinn-suchenden Generationen der 90er und der „Millennials“ springt freudig auf den hippen Zug auf. Endlich gibt es noch etwas zwischen Smartphone, Facebook und der ewigen Suche nach einer sinnvollen Arbeit. Aber inwieweit lohnt sich das Selbermachen überhaupt?

Viele Gründe für DIY

Es gibt verschiedene Gründe, warum wir etwas selber machen wollen:
  • Wir wollen einfach kreativ sein und uns ausprobieren.
  • Die angebotenen Konsumgüter gefallen uns nicht.
  • Wir haben Allergien gegen bestimmte Inhaltsstoffe.
  • Wir wollen umweltbewusster und nachhaltiger leben.
  • Wir wollen etwas verändern in unserem Umfeld oder an uns.
  • Wir können uns das Originalprodukt nicht leisten und fertigen es selbst.

Nur eines sollte klar sein: In DIY steckt Arbeit drin! Vorgesetzt bekommen wir nichts. Das schreckt viele schon ab.

DIY oder der schnelle Konsum?

Einen Pullover selbst stricken oder doch lieber schnell kaufen? Das Brot selbst backen oder doch lieber ein fertiges holen? Selbst gebrühten Kaffee trinken oder doch schnell beim Bäcker einen zum Mitnehmen kaufen?
Der schnelle Konsum lockt überall. DIY hingegen bedeutet Arbeit und braucht mehr Zeit. Ein handgestrickter Pullover braucht seine gut 4 Wochen. Wer schnell einen neuen Pullover benötigt, kauft sich lieber einen. Legen wir dazu noch Wert auf Qualität der Rohmaterialien, kann DIY auch teurer sein.
Also lohnt sich das Selbermachen eher doch nicht? Denn wie sollen wir in unsere so knapp bemessene Freizeit noch das Selbermachen von Kleidung, Nahrung, usw. integrieren? Schließlich müssen wir dazu erst die Werkzeuge und Materialien besorgen, bevor wir loslegen können. Da geben wir doch sicherlich auch mehr Geld aus.

Mehr Sinn für Konsum und Arbeit

DIY ist langfristig nichts für Ungeduldige und Unentschlossene, soviel steht fest. Aber auch für diese gilt: Einfach mal ausprobieren! Denn wer einmal mit dem Selbermachen begonnen hat, für den stellen sich tolle Nebeneffekte ein:
  • Wir konsumieren plötzlich selbstbestimmter. Beim Einkaufen oder Shopping schwirren vermehrt Fragen im Kopf herum: Gefällt mir dieses Fertigprodukt überhaupt zu 100%? Oder kann ich das nicht eigentlich besser selber machen? Vielleicht ein Körperöl mit dem eigenen Lieblingsduft oder die Kissenbezüge in einem Stoff meiner Wahl? Brauche ich das eigentlich wirklich?
  • Wir entwickeln mehr Sinn für die darin steckende Arbeit, da wir beim Selbermachen soviel Zeit und Mühen in unsere Projekte investieren. Plötzlich sehen wir, dass ein handgenähtes Kleid unmöglich nur 10 Euro oder weniger kosten kann und sollte!
  • Zudem wird der Konsum an sich gerade dadurch begrenzt und nachhaltiger. Niemand kann und wird sich so viele Kleidungsstücke fertigen wie er in einem Jahr kaufen könnte. Wir wollen gar nicht mehr soviel. Unser Bedürfnis nach Konsum ist gedämpft. Vielmehr macht uns die Freude an unseren DIY-Projekten zufrieden und satt. Wir sparen also in Wirklichkeit.
  • Und das Allerwichtigste: Es macht Spaß! Wir erkennen, welche verborgenen Fähigkeiten in uns schlummern. Was wir alles können und noch lernen können. Wir lernen Menschen mit ähnlichen Interessen kennen. Wir verschönern unser Leben genauso wie wir unseren Horizont erweitern.

Selbermachen hat seine Grenzen

Also nur noch DIY? Wohl kaum. Wir müssen und können nicht alles selber machen. Das brauchen wir auch für nicht. Schließlich gibt es genug Mitmenschen. Jeder kann etwas anderes zur Gemeinschaft beitragen. Aber was wir nicht selbst fertigen können, sollten wir mit Respekt für die darin steckende Arbeit erwerben.

Es lohnt sich doch!

Aber DIY lohnt sich. Allerdings  auf ganz andere Weise als viele vielleicht annehmen. Weil wir soviel mehr gewinnen als wir „verlieren“. Ja, manchmal geben wir mehr Geld für die Rohmaterialien unserer Projekte aus, dafür sparen wir an anderer Stelle. Ja, wir investieren viel Zeit und Mühen, aber wir halten später nicht nur ein fertiges, einzigartiges Produkt in den Händen. Wir sind zudem zufriedener und um einige Erfahrungen reicher. Vielleicht ändert DIY sogar unser Leben, weil wir plötzlich bewusster und nachhaltiger konsumieren. DIY gibt unserem Tun einen Sinn. Kein Wunder, dass die junge sinnsuchende Generation darauf so abfährt.

DIY kann also mehr als nur die Langeweile einer konsumgesättigten Gesellschaft vertreiben. DIY kann den Konsum selbst verändern und nachhaltiger gestalten. Denn DIY macht uns zufrieden und glücklich. Am Ende des Tages lohnt es sich nicht nur für uns.

Spruchstempel

4 Kommentare Add yours

  1. Patrick H. sagt:

    Da hast Du einen sehr interessanten Beitrag geschrieben. Dankesehr.
    Ich bin der meinung, das die DIYler unter und den Wert vieler Produkt viel mehr schätzen können, als ein reiner Konsummensch.
    Und das Gefühl etwas erschaffen zu haben – gleich wie krumm und schief es ist – befriedigt ungemein.
    Mein Fazit: lohnt sich immer, jedoch finanziell i.d.R. nicht.

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    1. Christine sagt:

      Danke. Finanziell lohnt es sich schon, finde ich, wenn man ein gleichwertiges Produkt haben möchte: ein handgestrickter Pullover kostet mal an die 150 bis 200 Euro. Da kommt man beim Selbststricken rein finanziell günstiger weg. Und hat noch Freude und den Stolz auf ein eigens geschaffenes Werk. 😊

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      1. Patrick H. sagt:

        Ok, an Stricken habe ich nicht so gedacht. Ist nicht so meins 😇

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  2. Da hast du ein wichtiges Thema angesprochen, finde ich. Und für Menschen, die Individualität lieben ist DIY ein guter Weg, den persönlichen Stil zu leben.

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