Empörung per Klick – Der Mob in den sozialen Medien

„So etwas sagt man einfach nicht.“ Menschen haben sich schon immer empört. Doch mit Facebook, Twitter und Co. wird heutzutage zu allem „Love“ und „Hate“ gegeben. Deshalb ist Meinungsäußerung so kompliziert und gefährlich geworden.

Die sozialen Medien – eine neue Form von Gesellschaft und Gemeinschaft ist möglich

Mit einfachem Tippen können wir per Smartphone von unterwegs zu allem und jedem unsere Meinung abgeben. Wir können uns mit Menschen freuen, zusammentun, ihnen in schweren Zeiten Unterstützung geben, aktiv werden gegen Ungerechtigkeit – und dies alles, ohne diese Menschen jemals getroffen zu haben oder überhaupt das Haus zu verlassen.

Die sozialen Medien bieten uns die Möglichkeit, uns zu informieren, unsere Meinung kundzutun, aus unserem Leben zu berichten und uns zu versammeln (virtuell oder real). Damit sind sie nicht nur Werkzeuge der Kommunikation, sondern auch der Demokratie und Gemeinschaft. Wir erfahren, was in der Welt geschieht und können sogar darauf reagieren – wie dies zum Beispiel rund um den Brexit der Fall ist.

Shitstorms – die negative Kehrseite der sozialen Medien

Doch genauso schnell können einfache Witze oder Meinungsäußerungen regelrechte Tornados an Empörung und Wut entstehen lassen. Weil im Netz so viele verschiedene Meinungen aufeinanderprallen und sich gegenseitig hochschaukeln. Manchmal formen sich sogar regelrechte Lynchmobs, die den Hexenverbrennungen alle Ehre gemacht hätten.

Die Empörung per Knopfdruck ist so einfach

Weil es heutzutage so einfach und vermeintlich sicher ist, seiner Meinung freien Lauf zu lassen (zumindest online), wird sich schnell mal empört. Einfach tippen, absenden, das Katzenvideo weiterschauen.

Ein Beispiel, das auf Facebook Empörung hervorgerufen hat, aber eigentlich witzig gemeint war:

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Ein Teil der Kommentatoren empörte sich, das sei geschmacklos und hätte auch schon nichts mehr mit schwarzem Humor zu tun. Und schon startete die Empörungswelle. Die Emotionen kochten hoch. Die einen beeinflussten, die anderen ließen sich beeinflussen.

Wir offenbaren uns mehr als wir meinen

Wie sieht es bei euch aus? Könnt ihr darüber lachen oder findet ihr es anstößig?

Jedes Mal, wenn wir auf etwas reagieren, offenbaren wir mehr von uns selbst, als uns vielleicht lieb ist. Was ihr über die Geschichte denkt, verrät sehr viel über die gesellschaftliche*, aber vor allem über eure eigene Gedankenwelt. Die Geschichte an sich ist erstmal völlig harmlos und unschuldig – unabhängig von dem, was der Absender selbst erreichen wollte.

Unsere Wahrnehmung ist nicht die Realität

Gerade weil die Wahrnehmung unserer Umwelt zu 100 % von uns selbst kreiert und verarbeitet wird, sollten wir vorsichtig sein, wie wir auf die Äußerungen anderer reagieren. Unsere Wahrnehmung ist nicht mit der Realität gleichzusetzen und vor allem nicht mit dem, was der Absender einer Nachricht wirklich gemeint hat. Zuviel haben unsere soziale Erziehung, persönlichen Gedanken und Emotionen Einfluss auf die Verarbeitung einer Nachricht.

Die eigene Wahrnehmung und damit auch Meinung ist nicht identisch mit der anderer Menschen. Andere blicken immer (!) von einem anderen Standpunkt auf etwas – auch wenn sich die Wahrnehmungen ähneln mögen. Keine Meinung hat mehr Gewicht oder Richtigkeit als die andere. Es sind einfach nur Äußerungen unserer verarbeiteten Wahrnehmung. Nicht umsonst heißt es auch, „sich eine Meinung bilden“.

Unsere Emotionen gehören nicht uns allein

Unsere eigenen Wahrnehmungen und Emotionen sind schon subjektiv genug. Schlimmer wird es noch, wenn sich die Emotionen einer Gruppe von Menschen vermischen. Leicht kann hier ein negatives Säuregemisch aus Empörung, Wut und Hass entstehen, das mit Vernunft und Logik nicht mehr zu beruhigen ist. Denn unsere Emotionen tragen wir nach außen spürbar mit uns herum. Sie vermengen sich mit den Emotionen anderer und formen die Richtung, in der diese Menschenmenge fühlt, denkt und handelt. Wir alle tragen also die Verantwortung für unsere Emotionen und wie sie andere beeinflussen können. Besonders im Netz.

Erst nachdenken, dann tippen

Da es auf Facebook und Co. so einfach ist, seine Meinung und die dazugehörigen Emotionen mal eben schnell loszuwerden, kommen viele ungefilterte Äußerungen ins Netz. Diese wiederum stacheln andere an, noch mehr ungefilterte Gedanken hineinzustreuen. Deshalb sind die sozialen Medien solch ein Pulverfass.

Statt zu wettern, sollten wir immer erst nachfragen, wie der Absender dies gemeint hat. Wenn es sich dann wirklich um intolerante, menschen- oder lebensverachtende Inhalte handelt, können wir immer noch unseren Standpunkt darstellen und den anderen kritisieren. Allerdings mit vorherigem Nachdenken. Vielleicht fällt uns dann sogar auf, dass es uns gar nicht so wichtig ist, zu allem „unseren Senf dazuzugeben“.

Nichts ist so, wie es uns erscheint. Manchmal ist es ganz anders.

 

*Eine Gesellschaft, welche ihre kindliche Unschuld und Fröhlichkeit verloren oder vergessen zu haben und überall negative Hintergründe zu erwarten scheint. Aber das ist ein anderes Thema.

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